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Versteckte Supportkosten beim Softwareanbieter: Warum schlechte UX nach dem Kauf teuer wird

Illustration einer individuell konfigurierbaren Plattform mit Profilen, Modulen und anpassbaren Einstellungen.

Wir hören es von sozialen Institutionen erstaunlich oft: Erst nach der Einführung zeigt sich, wie viel Unterstützung sie laufend beim Softwareanbieter beziehen müssen. Eine kleine Frage zur Bedienung, eine unklare Fehlermeldung oder eine Anpassung im Ablauf – und schon wird eine weitere Supportstunde verrechnet.

Im Angebot waren Lizenz, Einführung und Datenmigration sauber ausgewiesen. Wie häufig das Team später beim Anbieter anrufen oder ein Ticket eröffnen muss, blieb dagegen offen. Genau hier entstehen Supportkosten, die bei der Softwarewahl kaum jemand berechnet, die das Betriebsbudget aber über Jahre belasten können.

Teuer ist nicht, dass ein Anbieter guten Support anbietet. Teuer wird es, wenn seine Software vermeidbar viel Support benötigt – und jede dieser Rückfragen zusätzlich kostet.

Support beim Softwareanbieter ist selten einfach «inklusive»

Viele Anbieter werben mit persönlichem Support. Das klingt beruhigend, sagt aber noch nichts über die späteren Kosten aus. Je nach Vertragsmodell werden Anfragen unterschiedlich behandelt und verrechnet:

  • nach effektivem Zeitaufwand und Stundenansatz
  • in Mindestblöcken, beispielsweise 30 oder 60 Minuten pro Anfrage
  • über ein monatliches Supportpaket oder ein vorausbezahltes Stundenkontingent
  • mit Zuschlägen für kurze Reaktionszeiten, Priorisierung oder Unterstützung ausserhalb der Bürozeiten
  • als kostenpflichtige Beratung, sobald eine Anfrage nicht als technischer Fehler gilt
  • als separates Customizing, wenn Felder, Rollen, Vorlagen oder Abläufe angepasst werden müssen

Alle diese Modelle können legitim sein. Problematisch wird es, wenn vor Vertragsabschluss nicht verständlich ist, welche Hilfe im Preis enthalten ist und welche alltäglichen Fragen später eine Rechnung auslösen.

Wie schlechte UX zu verrechnetem Herstellersupport führt

Eine veraltete oder unübersichtliche Benutzeroberfläche ist nicht nur unangenehm. Sie kann ein dauerhaftes Geschäftsrisiko für die Kundin oder den Kunden werden. Wenn häufige Aufgaben ohne Hilfe kaum lösbar sind, wird der Support des Anbieters Teil des normalen Arbeitsablaufs.

Unklare Navigation erzeugt wiederkehrende Bedienungsfragen

Mitarbeitende finden eine Funktion nicht, übersehen einen Status oder wissen nicht, wo eine Eingabe gespeichert wurde. Der Anbieter erklärt den Weg am Telefon oder per Fernzugriff. Die Frage ist damit kurzfristig beantwortet, die Ursache bleibt jedoch bestehen – und beim nächsten Team oder nach dem nächsten Stellenwechsel entsteht dieselbe kostenpflichtige Anfrage erneut.

Nicht nachvollziehbare Abläufe werden als Beratung verrechnet

Wer gibt einen Bericht frei? Warum lässt sich ein Dossier nicht abschliessen? Was muss vor der Fakturierung erledigt sein? Wenn Status, Zuständigkeiten und nächste Schritte in der Software nicht klar erkennbar sind, muss der Anbieter den Ablauf erklären.

Besonders heikel ist die Abgrenzung: Ist die Ursache eine Wissenslücke bei der Institution, eine unpassende Konfiguration oder ein mangelhaft gestalteter Prozess im Produkt? Ohne klare Vereinbarung kann selbst eine Frage, die durch die Software ausgelöst wurde, als kostenpflichtige Beratung gelten.

Unverständliche Fehlermeldungen machen den Anbieter unverzichtbar

Eine Meldung wie «Vorgang fehlgeschlagen» hilft niemandem weiter. Fehlen Ursache und nächster sinnvoller Schritt, kann nur der Anbieter erklären, was zu tun ist. Gute Fehlermeldungen lösen nicht jedes technische Problem, aber sie verhindern, dass einfache Korrekturen automatisch im Support landen.

Kleine Anpassungen sind nur durch den Anbieter möglich

Wenn jede Änderung an einer Auswahlliste, Rolle, Vorlage oder Prozessstufe ein kostenpflichtiges Ticket erfordert, summieren sich auch kleine organisatorische Entwicklungen. Soziale Institutionen verändern Angebote, Zuständigkeiten und Nachweispflichten. Die Software sollte solche normalen Anpassungen ermöglichen, ohne für jede Kleinigkeit externe Fachstunden einzukaufen.

Updates erzeugen neuen Erklärungsbedarf

Neue Versionen sind wichtig für Sicherheit und Weiterentwicklung. Werden Oberflächen oder Abläufe jedoch ohne verständliche Hinweise verändert, entstehen nach jedem Update neue Anfragen. Vor der Auswahl sollte deshalb geklärt werden, wie Änderungen kommuniziert werden und ob Unterstützung bei vom Anbieter verursachten Umstellungen verrechnet wird.

Ein einfaches Rechenbeispiel für externe Supportkosten

Für eine erste Schätzung kann folgende Formel verwendet werden:

Supportstunden beim Anbieter pro Monat × Stundenansatz + Supportpakete, Zuschläge und Mindestverrechnung

Ein bewusst vereinfachtes Beispiel: Eine Institution bezieht durchschnittlich sechs Stunden Anbietersupport pro Monat. Bei einem Ansatz von CHF 220 entstehen CHF 1’320 monatlich beziehungsweise CHF 15’840 jährlich. Interne Zeit für Problembeschreibung, Terminabstimmung, Tests und Nachbearbeitung ist darin noch nicht enthalten.

Mindestverrechnungen können die Kosten zusätzlich erhöhen. Werden zehn kurze Anfragen von je 15 Minuten mit einer Mindestdauer von einer Stunde abgerechnet, bezahlt die Institution zehn Stunden statt zweieinhalb. Das Beispiel ist kein Branchenwert, zeigt aber, weshalb nicht nur der Stundenansatz, sondern auch die Abrechnungslogik in die Gesamtkosten gehört.

Diese Fragen sollten vor der Unterschrift beantwortet sein

In unserem Leitfaden zur Softwarewahl betrachten wir die gesamte Evaluation. Für die späteren Supportkosten sollten Institutionen zusätzlich schriftlich klären:

  • Welche Supportleistungen sind in der Lizenz oder Grundgebühr enthalten?
  • Welche Anfragen gelten als Fehlerbehebung und welche als kostenpflichtige Beratung?
  • Wer trägt die Kosten, wenn ein Fehler oder eine Änderung durch ein Update des Anbieters verursacht wurde?
  • Welche Stundenansätze, Mindestblöcke und Zuschläge gelten?
  • Beginnt die Verrechnung bereits bei der Entgegennahme und Analyse eines Tickets?
  • Welche Reaktions- und Lösungszeiten sind vereinbart?
  • Können Kosten ab einem festgelegten Betrag vorab freigegeben werden?
  • Welche Konfigurationen kann die Institution selbst vornehmen?
  • Sind Dokumentation, Schulungsunterlagen und Release-Informationen aktuell und inklusive?
  • Erhält die Institution eine nachvollziehbare Auswertung über Supportfälle, Ursachen und verrechnete Zeit?

Lasst euch nicht nur den Supportprozess erklären. Testet mit verschiedenen Mitarbeitenden typische Aufgaben und bewusst auch schwierige Situationen. Je mehr Erklärungen bereits in der Demo nötig sind, desto genauer sollte geprüft werden, wie oft später kostenpflichtiger Support erforderlich sein wird.

Fairer Support löst Probleme – er verkauft nicht dieselbe Erklärung immer wieder

Kompetenter Herstellersupport hat einen echten Wert. Neue Anforderungen, komplexe Schnittstellen, Datenmigrationen oder unerwartete technische Störungen brauchen erfahrene Ansprechpersonen. Gute Anbieter machen transparent, wann Kosten entstehen, dokumentieren ihre Arbeit und helfen, wiederkehrende Ursachen dauerhaft zu beseitigen.

Ein Warnsignal ist dagegen, wenn ähnliche Tickets regelmässig verrechnet werden, ohne dass Bedienung, Dokumentation oder Prozess verbessert werden. Wiederholt sich eine Anfrage bei mehreren Kundinnen und Kunden, sollte der Anbieter prüfen, ob das Produkt verständlicher werden muss.

Die faire Frage lautet daher nicht «Warum brauchen eure Mitarbeitenden so viel Hilfe?», sondern auch: «Warum erzeugt die Lösung an dieser Stelle immer wieder Erklärungsbedarf?»

Supportkosten im bestehenden Vertrag reduzieren

  1. Rechnungen und Tickets gemeinsam auswerten: Ordnet die letzten sechs bis zwölf Monate nach Ursache, Dauer und Kosten.
  2. Wiederholungen sichtbar machen: Markiert Fragen, die mehrmals oder in verschiedenen Teams auftreten.
  3. Fehler, Bedienung und Änderungswunsch trennen: Diese Kategorien sollten nicht automatisch gleich verrechnet werden.
  4. Ursachen mit dem Anbieter besprechen: Fordert bei häufigen Fällen eine Verbesserung der UX, Dokumentation oder Konfiguration statt einer weiteren Einzelerklärung.
  5. Selbstverwaltung erweitern: Klärt, welche Rollen, Vorlagen und Abläufe ihr selbst anpassen könnt. Unsere Seite zur Individualisierung zeigt, warum das wichtig ist.
  6. Kostengrenzen vereinbaren: Definiert Kontingente, Freigabelimiten und eine transparente Rapportierung.
  7. Vollkosten neu vergleichen: Bezieht realistische Supportkosten in Verlängerungen und künftige Softwareentscheide ein.

Der wahre Softwarepreis zeigt sich im Betrieb

Eine günstige Lizenz kann teuer werden, wenn die Institution für jede Unklarheit Unterstützung beim Anbieter einkaufen muss. Moderne UX, nachvollziehbare Abläufe, gute Dokumentation und sinnvolle Selbstverwaltung sind deshalb keine Komfortfunktionen. Sie beeinflussen direkt, wie abhängig eine Organisation vom kostenpflichtigen Herstellersupport bleibt.

Lua möchte Support dort leisten, wo er echten Mehrwert schafft – nicht, um vermeidbare Bedienungsprobleme dauerhaft zu verrechnen. Gern zeigen wir euch an einem konkreten Ablauf, wie eine verständliche und anpassbare Lösung den Unterstützungsbedarf im Alltag reduziert.

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